Immobilien online bewerten: Gutachter verrät, was bei der Verwendung von Online-Bewertungstools zu beachten ist

Immobilienbewertung (über cozmo news)
Immobilienbewertung (über cozmo news)

Wirtschaftliche Unsicherheit und Preisschwankungen sorgen aktuell für starke Verunsicherung unter Immobilienbesitzern, die planen, ihre Objekte zu verkaufen. Je nach Region und Lage kann der Preis für eine bestimmte Immobilie erheblich variieren – es muss also eine Grundlage geschaffen werden, um den optimalen Kaufpreis zu finden. Kostenlose Online-Bewertungstools versprechen eine Lösung.

In der Tat handelt es sich bei den online ermittelten Werten allerdings nur um grobe Schätzungen, die einen Großteil der für den tatsächlichen Wert relevanten Informationen vernachlässigen. Wer sie für bare Münze nimmt, verbrennt sich also oftmals schnell die Finger am Geschäft mit Immobilien.

Warum das so ist und wie Eigentümer wirklich an passende Informationen zum Wert ihrer Immobilien kommen, verraten die Immobiliengutachter Katharina und André Heid.

Kostenloser Service kostet langfristig oft am meisten

Der große Reiz der zahlreichen Angebote zur Online-Bewertung von Immobilien liegt in erster Linie im Komfort und den niedrigen Kosten. Mit nur wenigen Klicks, so das Versprechen der Anbieter, erhält der Besitzer sofort eine Angabe zum Wert seines Objekts – und das meist sogar kostenlos. Die Angaben des Nutzers werden jedoch nicht von Experten bearbeitet, sondern von Algorithmen, die sie mit vergleichbaren Objekten aus Angebotsdatenbanken abgleichen und so einen Schätzwert errechnen.

Hintergrund ist in vielen Fällen die Lead-Generierung: Indem ein Immobilienmakler oder Finanzdienstleister mit einem scheinbar kostenlosen Service in Vorleistung geht, lockt er potenzielle Kunden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Immobilienbesitzer Anfragen senden und über ihn verkaufen bzw. auch seine kostenpflichtigen Dienste in Anspruch nehmen.

Unzureichende Datenqualität als Ursache für Diskrepanz zwischen Bewertungen

Schlussendlich beruht die Bewertung eines Online-Tools jedoch fast immer auf öffentlich zugänglichen Informationen, die ein Algorithmus aus Immobilienbörsen oder Angebotsdatenbanken abfragt. Diese Informationen haben nur wenig mit dem realen Marktwert des Objekts zu tun und weisen häufig eine hohe Varianz zwischen den höchsten und den niedrigsten Angeboten auf, die das Gesamtbild erheblich verzerren kann.

Hinzu kommt, dass sich die Bewertung je nach Datenlage und verwendeten Quellen stark verändert. So ergibt sich in manchen Fällen ein Unterschied von bis zu 50 Prozent zwischen der Bewertung eines Online-Tools und dem professionellen Gutachten eines Sachverständigen. In Situationen, in denen ein möglichst präziser Immobilienwert ermittelt werden muss, ist eine Online-Bewertung demnach absolut unzureichend, da sie im Zweifelsfall nicht hinreichend belastbar ist.

Online-Bewertungen immer mit echten Gutachten untermauern

Dennoch haben Online-Bewertungstools durchaus ihre Daseinsberechtigung. Beispielsweise eignen sie sich dafür, eine erste Einschätzung zu erhalten, ob es sich überhaupt lohnt, angesichts der derzeitigen Marktlage einen Verkauf zu erwägen. Jedoch sollten Eigentümer niemals die Online-Bewertung als einzige Grundlage für ihre Überlegungen oder genauere Kalkulationen heranziehen, sondern sich immer von einem Experten unterstützen lassen, wenn eine verbindliche Entscheidung zum Objekt ansteht.

Insbesondere dann, wenn für einen Verkauf, die Planung von Erbschaftsangelegenheiten oder die Regelung finanzieller Verhältnisse nach einer Scheidung ein genauer Wert vonnöten ist, muss daher zwangsläufig ein Verkehrswertgutachten in Auftrag gegeben werden. Dieses kann nicht online, sondern nur von einem zertifizierten Immobiliengutachter ausgestellt werden, der dafür reale Notarverträge und die Gutachten geschulter Sachverständiger als Grundlage nutzt.

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