Früherer US-Außenminister George Shultz im Alter von 100 Jahren gestorben

George Shultz - Bild. Christopher Michel/CC BY 2.0
George Shultz - Bild. Christopher Michel/CC BY 2.0

Der frühere US-Außenminister George Shultz, der als Brückenbauer Richtung Moskau in die Geschichtsbücher einging, ist tot. Shultz sei im Alter von 100 Jahren gestorben, teilte die Hoover Institution in Kalifornien am Sonntag (Ortszeit) mit. Shultz hatte unter dem republikanischen Präsidenten Ronald Reagan von 1982 bis 1989 als Außenminister gedient. In dieser Zeit gelang es ihm, die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion abzubauen.

Nur wenige hätten so viel dazu beigetragen, die „Ausrichtung der amerikanischen Diplomatie und des amerikanischen Einflusses im 20. Jahrhundert zu gestalten“, erklärte US-Präsident Joe Biden. Er bedaure es, dass er in seinem Amt nicht von Shultz‘ „Weisheit“ profitieren könne, wie es viele seiner Vorgänger getan hätten. US-Außenminister Antony Blinken würdigte Shultz als „Legende“ und „Visionär“. 

Die Hoover Institution, eine an der Universität Stanford angesiedelte Forschungsstelle, bezeichnete Shultz als einen der größten politischen Strategen aller Zeiten. Zusammen mit Reagan habe er dazu beigetragen, „den Lauf der Geschichte mit den Mitteln der Diplomatie zu ändern, um den Kalten Krieg zu beenden“. 

Als Michail Gorbatschow 1985 die Führung der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion übernahm, sah Shultz darin eine Chance für eine Annäherung. Er ließ sich davon auch nicht durch die Skepsis abbringen, die ihm vom damaligen Verteidigungsminister Caspar Weinberger und dem damaligen CIA-Chef Bill Casey entgegenschlug. Noch in Shultz‘ Amtszeit einigten sich die USA und die Sowjetunion 1987 dann auf den INF-Vertrag über die atomare Abrüstung im Mittelstreckenbereich.

Shultz sei einer von nur zwei US-Politikern gewesen, die „vier verschiedene Posten in der Regierung innehatten“, erklärte die Hoover Institution. Vor seiner Ernennung zum Außenminister war er als Finanzminister, Arbeitsminister und Haushaltschef im Weißen Haus tätig.

Die ehemalige republikanische Außenministerin Condoleezza Rice würdigte Shultz als einen „großen amerikanischen Staatsmann“ und einen „wahren Patrioten“, der „die Welt zu einem besseren Ort“ gemacht habe.

Nach seiner aktiven Karriere als Politiker rückte Shultz von einigen Positionen seiner Republikanischen Partei ab und unterstützte unter anderem die Idee einer CO2-Steuer zur Bekämpfung des Klimawandels. In einem Essay anlässlich seines 100. Geburtstags im vergangenen Jahr beklagte er sich über den Politikstil des damaligen Präsidenten Donald Trump. Nur wer vertrauenswürdig sei, könne erfolgreich sein, schrieb Shultz. Dies gelte für Staaten ebenso wie für Einzelpersonen. 

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